Sie leben im Bundesstaat Rajasthan am Rande der Wüste Thar. Ich hatte schon häufiger von ihnen gelesen und war neugierig geworden. Die Bishnoi leben streng nach 29 Regeln (20 = Bish 9 = noi), nehmen von der Natur nur das, was sie ihnen gibt, ohne zu töten. Aber wie genau fühlt sich das heute an, in unserer modernen Welt, die auch jungen Bishnoi nicht verborgen bleibt?

Wir fahren über öde Landstraßen. Auffällig sind die zutraulichen Antilopen, denen wir zuletzt immer häufiger begegnen. Als Unantastbare verlieren sie jegliche Scheu. Unbewusst spüren wir die Auswirkungen der radikalen Tierschützer.

Im Paradies der Bishnoi

Als wir bei der Familie ankommen, werden wir bereits erwartet. Die Zutaten für das Essen liegen bereit. Der Hausherr führt uns überall herum: die einfachen Hütten sind strohgedeckt, ein Solarpanel liefert Strom, Trinkwasser wird in einer Regenwasserzisterne gesammelt, Tierdung dient als Brennmaterial. Bäume sind ihnen heilig. Sie spenden Schatten, liefern Futter für die Tiere. Nur abgestorbene oder heruntergefallene Äste werden als Baumaterial genutzt. Die ganze Gegend ist ein wahres Naturparadies.

Die Nutztiere – eine Kuh und ein Wasserbüffel – werden nicht gegessen sondern nur für die Feldarbeit eingespannt. Obwohl diese schwere Arbeit inzwischen sogar ein kleiner Traktor übernehmen kann, auch das vielleicht ein Zeichen für modernen Tierschutz 😉 , dürfen wir uns an der Getreidemühle ausprobieren. Alles machte einen sehr entspannten, für indische Verhältnisse gut organisierten und aufgeräumten Eindruck. Die Familie kann sehr gut von ihrer Landwirtschaft und dem Zubrot der Touristen leben. Aus ihren Blicken spricht Stolz und Reichtum, nicht nur im monetären Sinne.

 

 

Brot liegt in der Luft

Inzwischen hat die Dame des Hauses den Teig für Chapati zusammengerührt (Mehl, Wasser, Gewürze nach altem Familienrezept) und in kleine Portionen aufgeteilt. Jeder von uns erhält eine Teigkugel um daraus einen dünnen Fladen zu formen, der anschließend auf einer Pfanne über der Feuerstelle gebacken wird. Das frische Brot duftet herrlich und wird zusammen mit Ghee und verschiedenen Chutneys sofort probiert. Es schmeckt ähnlich wie Naan, vielleicht einen Tick knuspriger. Für den richtigen Fluff müssten wir noch ungefähr 9.356 Fadenbrote kneten. Erst dann gelingt die perfekte Form. So jedenfalls deuten wir die Zeichen der erfahrenen Hausfrau.

 

Bishnoi

 

Nach dem Essen werden die obligatorischen Erinnerungsfotos gemacht. Vater, Mutter, Sohn, Tochter, … Diese Familie hat bestimmt mehr Fotos als so manche bei uns zu Haus. Klar, dass man nach so vielen Wiederholungen manchmal etwas gelangweilt in die Kamera blickt. Wir verabschieden uns und besteigen den Kleinbus. Die Bishnoi haben ihr kleines Paradies nun wieder ganz für sich.

Eine englischsprachig geführte YOLO Reise durch Indien wäre genau dein Ding? Unforgettable glory

 

Thorsten

Als bekennender Backpacker bin ich privat am liebsten in Asien unterwegs und nicht nur da für jeden Spaß zu haben.

Beitrag teilen