Das erste Mal Südamerika. Drei Wochen Peru. Drei Wochen, die es in sich haben. Eines der (zugegebenermaßen vielen) Highlights der Reise sind die vier Tage auf dem Inka Trail, einem „Wanderweg“ über knapp 45 Kilometer zur Ruinenstadt Machu Picchu. Wenn man es denn wandern nennen will, was mit Höllenqualen eventuell besser beschrieben wäre. Aber nein, aus der Hölle gibt es keinen Ausweg, der Inka Trail dagegen hat ein Ziel: Alles ist vergessen, wenn man durch das Sonnentor schreitet und Machu Picchu einem zu Füßen liegt. Machu Picchu, die sagenumwobene Ruinenstadt im Tal zwischen Huayna Picchu und dem Machu Picchu. Ich war dort. Ich habe den Weg bezwungen und bin stolz.

Unsere Gruppentour beginnt in Ollantaytambo im Sacred Valley. Die erste Herausforderung heißt: umpacken. Jedem bleibt nur eine kleine Tasche mit wirklich Wichtigem. 6 Kilo und kein Gramm mehr (inklusive Schlafsack). Vor allem mit dem Wissen, dass diese Taschen nebst Küchenausrüstung und Lebensmittelvorräten für die gesamte Gruppe von Portern getragen werden, beschränkt man sich gern. In einem kleinen Tagesrucksack werden die Dinge des täglichen Bedarfs verstaut.

Meine Mama hat mich gezwungen, ihre Wanderstöcke mitzunehmen. Was habe ich mich geziert… Stöcke! … für Rentner!… Vor Ort musste ich dann feststellen, dass ausnahmslose alle Wanderer welche hatten oder gegen Gebühr ausliehen. Manchmal muss man einfach einsehen, dass Mütter einfach immer Recht haben. Danke Mama.

Nach einer letzten heißen Dusche geht es in einem vollgestopften Minibus zum ersten Checkpoint nach Piscacucho und dem offiziellen Start der Wanderung. Nur wer Wochen vorher mit seinen Passdaten registriert wurde, kann die Tour, als einer von maximal 500 Menschen am Tag, hier beginnen. Spontanität ist nicht gefragt. Meine Anmeldung ist in Ordnung, ich darf passieren. Leider mit einer leeren Kamerabatterie, einem fehlenden Sonnenhut (schwerer Fehler, dann ich werde mit einem hässlichen Souvenirhut bestraft – ohne ist nicht, auf dieser Höhe) und einer verlorenen Schnalle am Brustgurt meines Rucksacks. Geht gut los.

 

Problem-Detox unterwegs

Vor uns liegen knapp 45 km und etwa 2500 Meter Höhenunterschied, lange Zeit begleitet vom Rauschen des Rio Urubamba im Tal. Keine große Herausforderung? Oh doch!

Unsere 16-Personen-Gruppe wird durch drei Guides und 20 Porter, Köche, Helfer begleitet. Unsere Begleiter sind mit entsprechender Outdoor-Kleidung ausgestattet, alle tragen vernünftige Schuhe. Das ist leider keine Normalität. Ich habe dort Begleiter anderer Gruppen gesehen, die in kaputten Sandalen unterwegs waren und weit mehr Gewicht schleppten als die rechtlich erlaubten 25 kg. Da regt sich pausenlos mein schlechtes Gewissen. Ich habe große Hochachtung vor der Leistung dieser Menschen. Sie tragen unsere Sachen, sind immer als Erstes im Nachtlager, bauen unsere Zelte auf und bereiten uns jeden Tag fantastisches Essen zu. Sie sind zwischen 18 und Ende 50 und bewältigen diese Strecke Tag für Tag, manchmal ein Arbeitsleben lang. Ich vergesse einige meiner Luxusprobleme ganz schnell. Problem-Detox, sozusagen. Tut sehr gut!

Inka Trail, los geht’s

Der erste Tag ist anstrengend, aber gut zu schaffen. Schnell zeigt sich, dass wir nicht die nächsten vier Tage alle im Entenmarsch unterwegs sein werden. Die Guides verteilen sich gut, so dass jeder in seinem eigenen Tempo laufen und kleine Pausen machen kann. Wir sind 5 Stunden unterwegs und gelangen bis Hatunchaca auf 2950 m. Das soll zur Einstimmung am Tag 1 genügen. Nach einem kräftigen Mate de Coca, der helfen soll, die Höhe besser zu vertragen, gehe ich schlafen, als es dunkel wird. Und kalt. Sehr kalt.

Vielversprechender Dead woman’s Pass

Am Tag 2 starten wir um 5:00 Uhr morgens mit Coca-Tee und – man mag es kaum glauben – einer Schüssel heißen Wassers vor dem Zelt für die Morgentoilette. Beides eine Wohltat zu dieser Uhrzeit. Nach dem Frühstück geht es um 6:30 Uhr los. Nach zwei Stunden beschleicht mich das Gefühl, diesen Tag nicht zu überstehen. Es geht bergauf, ausschließlich. Das alleine wäre anstrengend genug. Leider geht es über handgearbeitete Stufen hinauf. Eine ist 20 cm hoch, die nächste 60 cm. Man kommt in keinen regelmäßigen Tritt, das Atmen wird immer beschwerlicher. An diesem Tag müssen 1200 Höhenmeter überwunden werden. Bis hinauf zum Dead woman‘s Pass. Sehr vielversprechender Name.

 

 

Dabei kann man den Gipfel schon so lange sehen kann. Aber gefühlt kommt man ihm nicht näher. Noch 500 Meter zu weit unten. Schritt für Schritt quäle ich mich hoch, mache nach jedem Schritt eine Pause und schnaufe wie eine alte Dampflock. Wieder 2 Meter geschafft… Alles tut weh, man schwitzt, friert, kreischt innerlich, resigniert, will umkehren. Für Unterhaltung fehlt die Puste, zum Nachdenken ist das Gehirn nicht bereit, es hat längst auf Überlebensmodus geschaltet. Und dann ist man doch oben, 4215 m, die Luft ist dünn und ich bin glücklich. Überglücklich und stolz wie Bolle. War da was? Anstrengung? Ach, na ja.

Grenzerfahrung Toilette

Wo ein Weg hinauf führt, führt auf der anderen Seite ganz sicher auch ein Weg hinunter. Jetzt müssen wir also „nur“ noch bergab. Ein Spaziergang im Vergleich zum Aufstieg. Schon am frühen Nachmittag kommen wir im Camp an. Ich mache augenblicklich Mittagsschlaf.

Den Abend verbringen wir mit Tee trinken und Karten spielen. Der Wunsch nach einer ordentlichen Toilette und einer heißen Dusche wird dringlich, in der Reihenfolge: Toilette vor Dusche. Unser Toilettenzelt ist für mich eine Grenzerfahrung. In einem extra Zelt steht ein Eimer mit ein paar Sägespänen. Wir befinden uns in einem strengen Naturschutzgebiet, jeglicher Müll muss mitgenommen werden. So auch die menschlichen Ausscheidungen. Erst am letzten Tag erfahren wir, dass einer der Porter den Inhalt der Eimer von vier Tagen mit nach unten ins Tal nehmen muss. Zum schlechten Gewissen gesellt sich die Scham.

 

Minizelt mit tierischem Besuch

Ein kurzer Wachtraum

Tag drei startet um 6:20 Uhr, vor uns liegt der zweite Pass: Qochapata auf schlappen 3950 m. Jeder Schritt führt durch eine atemberaubende Szenerie, nach allen Seiten eine Wahnsinnsaussicht. Mal stehen Rehe am Wegesrand oder wild schmatzende Lamas. Den dritten Pass auf 3670 m merkt man später kaum noch. Wir sind schon Pass-Profis. Insgesamt legen wir an diesem Tag 16 km zurück, sind gute zehn Stunden auf den Beinen. Um 18:30 Uhr liege ich bereits in meinem Schlafsack. In einem kurzen Wachtraum stehe ich wieder unter einer mild tröpfelnden Regenwaldusche, dann ist es vorbei. Bin zu müde, um noch irgend einen Gedanken zu verfolgen.

Danke Pachamama

Tag vier: Die ganze Nacht hat es geschüttet, gedonnert und geblitzt. Von erholsamer Nacht kann man nicht sprechen. Um 3:30 Uhr nieselt es nur noch, als wir mit einem Lunchpaket geweckt werden. Nur ein paar Meter von unserem Camp Winay Wayna entfernt befindet sich die 4. Kontrollstation, die um 5:30 Uhr öffnet. Wir sind um 4:25 dort und es hat sich schon eine Schlange gebildet. Jeder will der erste sein. Es ist stockfinster, alles nass und wir frieren. Als es endlich dämmert und sich die Tore öffnen, haben wir noch 1,5 Stunden Weg vor uns. Dieser Abschnitt ist im Vergleich der angenehmste. Wahrscheinlich auch, weil man weiß, dass man es so gut wie geschafft hat. Dann steht man da: Sonnentor mit Aussicht auf Macchu Picchu und die Ruinenstadt. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Wir SIND da! Unglaublich! Wir haben es alle geschafft! Ich schicke einen kurzen Dankesgruß an Pachamama, die heilige Mutter Erde der Quechua.

 

 

Es ist noch vergleichsweise leer. Wir können durch die Ruinen streifen, uns einer Führung anschließen und den Moment des Ankommens genießen. Den Moment, in dem sich der Stolz in einem so richtig ausbreitet. „Ich habe den Inka Trail bezwungen!“ Verstärkt durch die vielen „Rentnertouris“, die in ihren khakifarbenen Westen und leichten Turnschuhen aus dem Bus steigen.

Den Inka-Trail bezwingen kannst Du auf der 15-Tage Tour „The Spirit of Inti“. Doch bei YOLO kannst du noch viel mehr von Amerika entdecken. Erlebe einmalige Abenteuer, wenn du dich dich z.B. dafür entscheidest, mit uns durch Costa Rica oder Mexiko zu reisen. Unsere Costa Rica Rundreisen für junge Leute nehmen dich mit in das unersättliche Grün des Landes, in den Alltag von Gastfamilien und an die schönsten Strände des Landes.

Du willst dich nach den Inka auch auf die Spuren der Maya begeben? Komm mit uns nach auf ein unvergessliche Mexiko Rundreise und entdecke neben Mexiko auch Guatemala und Belize. Neben den Kultstätten der Maya nehmen wir dich mit an traumhafte Karibikstrände und in azurblaues Wasser.

Therese

Ich stehe ständig unter Strom, habe tausend Dinge im Kopf und bei YOLO Reisen alle Fäden fest in der Hand.

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