Gold ist kitschig und Magie ist Unsinn? Reise nach Myanmar und du wirst Beides finden. Gerade einmal zehn Stunden nach unserem Flug, der viele Meilen zwischen das nasskalte Deutschland und uns brachte, staunten wir das erste Mal mit offenem Mund. Plötzlich waren wir im heißen Yangon, im fernen Myanmar.

Voller Tatendrang und Energie ging zugleich ins das Zentrum der Stadt, um die wichtigste Sehenswürdigkeit Yangons zu besuchen: die Shwedagon-Pagode. Ein Berg aus Gold mit unzähligen Tempeln und unfassbar vielen Verzierungen an allen nur vorhandenen Gebäuden.

 

In Flip Flops durchs Heiligtum

Bevor wir die heiligen Wege und Tempel begehen konnten, wurden wir höflich gebeten, Schuhe und Socken am Eingang der Shwedagon Pagode zurückzulassen. Dieses Ritual, dass uns in Myanmar noch so einige schwarze Füße einbringen sollte, lehrte uns schnell, auf Schnürschuhe zu verzichten. Fortan taten wir es den Einheimischen gleich und trugen immer und überall Flip Flops.

Ein Becher Wasser pro Lebensjahr

Wir atmeten die religiöse Luft ein und bestaunten die betenden Menschen und ihre Rituale. An sieben kleinen Buddhas, von denen jeder für einen Wochentag steht, gossen sie fortwährend Wasser über die Figuren. Jeder Besucher begießt den Wochentag seiner eigenen Geburt mit geweihtem Wasser. Je ein Becher pro Lebensjahr. Einen Becher gibt es obendrauf als Wunsch für ein langes Leben. Ein langes Leben wollte ich auch, also goss ich ebenfalls.

Bei all den sehenswerten Dingen verging die Zeit so schnell, dass wir kaum merkten, wie der Tag zu Ende ging. Als die Abendsonne verschwunden war, verwandelten hunderte Strahler die Pagode und die gesamte Anlage in ein bis nach Nepal leuchtendes Märchenschloss. Spektakulär schön und kaum in Worte zu fassen.

 

Magische Lichtspiele an der Shwedagon-Pagode in Myanmar
Magische Lichtspiele an der Shwedagon-Pagode in Myanmar.

 

Noch bevor wir auf unsere lange Rundreise durch Myanmar und angrenzende Länder starteten, auf der wir mit Bikes, auf Booten, an Seilwinden und auf Motorrollern die Gegenden erforschten, noch bevor wir das erste Mal einen Dschungel durchstreiften, waren wir voller magischer Stimmung. Beseelt von einem tiefgreifenden Glücksgefühl, vergrößerte sich unsere Vorfreude auf die kommenden drei Wochen in Südostasien. Ein Einstieg, der nicht besser hätte sein können.

Bagan im Morgengrauen

Bevor wir überhaupt die ersten Eindrücke Yangongs verarbeitet hatten, stiegen wir schon aus einem kleinen kühlschrankähnlichen Flugzeug in Bagan. Noch erfreuten uns die warmen Temperaturen des Morgengrauens. Wir fuhren der Sonne entgegen und rein in eine wunderschöne rote Ebene, in Richtung eines der weiteren großen Highlights Myanmars.

Soweit das Auge reicht, sah ich hunderte kleine Tempelanlagen, einige alleinstehend, manche in Gruppen angeordnet. Wir suchten uns zu Beginn gleich einen der Schönsten aus. Es war sieben Uhr morgens und noch kein einziger Tourist war zu sehen, selbst die Souvenirverkäufer schienen von einem so frühen Besuch überrascht. Roter Backstein und kleine Terrassen, die über eine enge, steile Treppe zu erreichen sind, machen aus dem alten Gebäude ein historisches Kleinod. Gut erhaltene, wunderschöne Wandmalereien rundeten das Bild ab.

 

Gegrillte Füße auf dem Markt

Später besuchten wir einen Markt der Einheimischen mitten in Bagan. Es war genau das, was wir uns von einem Markt im entfernten Myanmar vorgestellt hatten. Überraschend groß, mit vielen Gassen, teils überdacht und der latenten Gefahr, sich zu verlaufen. Ein buntes Bild geprägt von Obst, Gemüse, Gewürzen, Garküchen und vielen weiteren Verkaufsständen ließen uns Staunen.
Als wir an der Pagode von Shwezigon ankamen, war es bereits so heiß, dass wir kaum ein paar Meter weit kamen, ohne dass uns die Mittagssonne die Füße grillte.

 

Tee-Salat zum Mittag

So zogen wir an diesem Tag das Mittagessen vor, um der Hitze zu entkommen. In der Altstadt lernten wir mit dem berühmten Tee-Salat ein traditionelles burmesisches Getränk kenne, welches ich fortan nicht mehr vergessen konnte. Ich halte das Probieren für absolute Pflicht auf einer Reise durch Myanmar. Danach zog es uns wieder in die rote Ebene zum Tempel von Ananda, wunderschön, aber auch hier hielten wir es mit unseren nackten Füßen kaum aus und wir waren froh, dass wir uns überwiegend im Inneren der Anlage aufhalten konnten. Ein bisschen sehnte man sich ins kalte Flugzeug zurück.

Die Riesenbuddhas von Ananda

Der Tempel wird bestimmt durch vier überdimensionale Buddhas, die sich quadratisch aufgereiht um die Mitte des Tempels anordnen. Wie kann man das nicht beeindruckend finden?

Eine große runde Steinplatte, nur wenig geschützt, erweckte sofort unser Interesse. Hier lagen Hunderte von Geldscheinen als Opfergabe in unmittelbarer Griffweite. Artig ließen wir sie jedoch liegen und sprangen durch den hellen Innenhof von Schattenfleck zu Schattenfleck. Wir gönnten uns eine kleine Verschnaufpause mit Blick auf die hellen, beinahe weißen Wände der Anlage.

Auch die hier überall vorhandenen Verzierungen und Figuren, die herrlich klingenden Glocken ließen das diesen Ort magisch erscheinen. Vielleicht habe ich an diesen zwei Tagen schon mehr Schönes gesehen, als in den letzten zwanzig Jahren meines Lebens. Überall gold und rot und die zahlreichen bunten Farben machen Myanmar zu einem farbintensiven Land. Das Land versprüht Magie. Für dieses Bewusstsein waren keine 48 Stunden nötig.