Boom! Da bin ich. In Jakarta. Hauptstadt von Indonesien, im Westen von Java. Laut, voll, heiß und turbulent. Das ist Urlaub? Hier kann ich nicht lang bleiben. Ich muss gleich wieder weg. Leider fliegt heute nichts mehr nach Yogyakarta. Auf zum Hauptbahnhof. Keine Tickets mehr. Es ist Ostern. Selbstverständlich ist Feiertag, in einem muslimischen Land wie Indonesien. Was nun? Bus? Wohin? Ich stöbere ein wenig im Indonesien-Reiseführer und komme auf die Lösung: Pangandaran! Hübsches kleines Fischerdorf mit Strand und Dschungel. Das hört sich nach einem exotischen Urlaub an. Da heute aber kein Bus mehr fährt, suche ich mir ein Zimmer und hau’ mich auf’s Ohr.

Indonesien mit dem Bus

Am nächsten Morgen um 5 Uhr fährt der Bus. Oder doch nicht? Der Fahrer ist nicht da. Abfahrt verschiebt sich auf 7 Uhr. Super! Irgendwann geht es aber doch los. Alle sind am Paffen. Drei Stunden später. Immer noch in Jakarta, im Stau. Zwei Stunden später: Panne.

Keiner weiß was und wir warten knapp eine Stunde auf den nächsten Bus, mitten auf der Autobahn und in der prallen Sonne. Im neuen Bus lassen sich dann sogar die Fenster öffnen. Da aber weiterhin fast alle Passagiere im Bus rauchen, bringt selbst das kaum frische Luft. Allmählich wird es dunkel. Wir sind schon fast da. Plötzlich steht der Bus und es heißt, wir müssen aussteigen und den Bus wechseln. Der Bus, in dem wir sitzen, muss schon morgen wieder zurück in Indonesiens Hauptstadt Jakarta sein. Der neue Bus steht bereit. Ein richtig moderner Coach. Klimaanlage, bequeme Ledersitze und Beinfreiheit. Die Fahrt ist leider viel zu kurz.

In Pangandaran angekommen, weiß ich nicht, in welche Richtung ich muss. Daher nehm’ ich ein Fahrradtaxi. Viel zu klein und unbequem, aber der Fahrer kennt den Weg zur Unterkunft.

Schwarzer Sand und fliegende Füchse

Pangandaran begrüßt mich mit Sonne und Vogelgezwitscher. Wie beruhigend. Ein gutes Frühstück und einen Plan vor Augen: Strand, Dschungel, Strand. Läuft bei mir!

Auf dem Weg zum Strand geh ich an vielen bunten Käfern vorbei. Erinnern ein wenig an die Flintstones. Da steht ein Pferd mitten auf dem Strand. Der Strand selbst ist schwarz und ihm vorgelagert liegt ein Schiffswrack. Schon irgendwie alles exotisch, aber trotzdem nicht so meins. Doch scheinbar schlägt sich das nicht um, auf meine Ausstrahlung. Oder liegt es an meiner Größe und Hautfarbe? Jedenfalls tummeln sich immer mal wieder Einheimische um mich herum und machen ein Selfie mit mir. Am Strand halte ich es daher nicht lange aus. Ab in den Dschungel. Hier soll es Fledermäuse, Uhus, Flughunde, jede Menge Affen, Stachelschweine (das deutsche Wort kennt selbst unser Guide) und vor allem einen weißen Sandstrand geben. Und all das sehe ich auch. Nicht mehr lang und ich sitze schon wieder in einem Bus. Diesmal nach Jogja!

Yogyakarta – ein ganz anderes Tempo

Yogyakarta ist ganz anders. Selbstverständlich viel Verkehr, aber ein ganz anderes Tempo. Hier gibt es jede Menge Galerien, Coffee Shops, Bars, Eisdielen und sehr viele hippe Touristen. Viel wichtiger sind aber die kulturellen Stätten in der Nähe der Stadt, welche auch zum Weltkulturerbe gehören. Der buddhistische Tempel Borobudur und der Hindutempel Prambanan. Es werden auch Touren zum Vulkan Bromo und zum Ijen Massiv (Schwefel, Blue Fire) angeboten, samt Fährüberfahrt nach Bali. Ich bin dabei und freu mich auf die nächsten 4 Tage.

Borobudur im Morgengrauen

Doch zunächst geht es am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang nach Borobudur. Es ist 3:30 Uhr. Wieder mal zu früh für mich. Aber mein Fahrer Didi ist schon da, also muss ich mich sputen. Die Fahrt geht schnell vorüber. Klar! Bin ja auch weggenickt. Wir sind die ersten am Aussichtshügel. Auf dem Weg nach oben schalte ich meine Aufnahme-App ein und fange die Gebete der Muezzine, das Gezirpe der Zikaden und das Gegackere der Hähne und Hühner ein. Es ist stockduster und diese Situation wirkt irgendwie berauschend. Eine Weile stehe ich noch ganz allein am view point. Der Himmel beginnt sich langsam zu färben. Die ersten Touristen kommen. Spanier. Es wird sofort laut und die Stimmung ist fast hinüber. Ich such‘ mir eine andere Stelle und schau mir das Spektakel des Erwachens der Sonne hinter dem Vulkan Merapi an.

 

Stopa in Borobudur
Stopa in Borobudur: Die frühe Vogel fängt den Wurm.

Hallo Kokosnuss

Dann geht es zur Stupa. Es ist wahnsinnig voll. Viele Einheimische, von denen wieder einige von mir Fotos machen wollen. Dann werde ich auch noch von einer Wespe gestochen. Ich habe genug und bin müde, steig‘ die Stufen hinunter und laufe zum Parkplatz. Am Ausgang der Anlage liegt ein riesiger Markt. Fast jeder möchte mir was verkaufen. Die meisten sagen nur „good price“ oder so. Von links hör ich plötzlich „hello coconut“ und ich denke, sehr einfallsreich. Ich stehe an einem Stand voller Kokosnüsse. Ich kaufe eine. Man weiß ja nie, wofür die mal gut ist. Weiter geht’s. Vorbei an Reisfeldern und -bauern, Chili, Papayas und riesigen Ochsen an festlich geschmückten Kutschen. Dann sind wir da, Prambanan. Es ist mittlerweile Mittag und glühend heiß. Mit einigen Schulkindern mache ich einen Englischtest. Irgendwann schaffe ich es doch, mich loszureißen und bestaune den riesigen Shiva-Tempel. Dann geht’s zurück zum Hotel.

 

 

Von Platzangst und Ochsenköpfen

Heute geht es mit dem Zug weiter. Mal was Neues. Sieht richtig gut in Schuss aus. Klimatisiert ist er auch. Nur ein Problem gibt es. Es sitzen sich immer je 3 Personen gegenüber. Zwischen uns gibt es nur knapp 30 cm Platz. Also 8 Stunden Platzangst! Als wir dann endlich in Probolinggo ankommen, muss ich einfach nur noch raus und die Beine ausstrecken. Doch leider geht es direkt weiter. Noch mal 3 Stunden im Bus nach Bromo. Die Fahrt ist aber ganz in Ordnung, weshalb die Zeit schnell vorbei geht. Im Homestay angekommen, hole ich mir erst einmal eine Tütensuppe und geh’ früh ins Bett.

Im Jeep über Stock und Stein

Morgenstund hat Gold im Mund. Wieder geht es schon vor dem ersten Mueezinruf und Kikeriki aus den Federn und in den Jeep über Stock und Stein zum überragenden view point mit Blick auf den Vulkan Bromo. Atemberaubend! Aber ich will näher ran. Wir fahren weiter, gehen durch eine Mondlandschaft und steigen hoch auf den Kraterrand. Beeindruckende Kulisse. Der Vulkan ist noch aktiv. Es kommt unentwegt Rauch aus dem Schlund. Es hört sich an wie eine riesige Turbine. Bis hinab zum Inneren des Kraters sieht man überall Opfergaben. Selbst ein Ochsenkopf ist zu sehen. Dann geht es weiter. Frühstück gibt es unterwegs. Schließlich liegt noch eine sechsstündige Fahrt vor uns. Das Homestay wurde mir vor der Abreise aus Yogyakarta als sehr einfach beschrieben. Es muss die Rede von einer anderen Unterkunft gewesen sein. Im Catimas Homestay gibt es sogar einen Pool und WLAN. Und das fast mitten im Dschungel.

 

Blick auf Mount Bromo in Java (Indonesien)
Blick auf Mount Bromo: Java (Indonesien).

Blue Fire am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Für das letzte Highlight im indonesischen Ost-Java fahren wir heute sogar schon um 2 Uhr morgens los. Nach weniger als einer Stunde erreichen wir den Eingang zum Ijen. Es sind bereits sehr viele Leute da. Alle haben Lampen auf dem Kopf oder in den Händen. 3 km unter einem bezaubernden Sternenhimmel bergauf. Nach ca. 1,5 Stunden bin ich endlich da und kann meinen Augen nicht trauen. Tatsächlich! Am Grund des Kraters flackert blaues Feuer. Es kommt von den mit Luft in Kontakt tretenden Schwefelgasen. Vom Schwefel vulkanischen Ursprungs, den es dort unten in Hülle und Fülle gibt. Wir sehen die gelben Kristalle noch nicht, aber dafür die Lichtkegel der Schwefelarbeiter, die den abgekühlten Schwefel abbrechen und in Bambuskörben den Kraterhang hinauf und den Weg, den wir kamen, hinab ins Tal abtransportieren. Volle Körbe wiegen bis zu 100 kg. Pro Kilogramm erhält ein Minenarbeiter 75 Cent. Unfassbar!

 

Blue Fire am Morgen
Blue Fire am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

 

Gasmaske am Kraterrand

Unser Weg führt uns weiter hinauf entlang des Kraterrandes. Der Schwefelsee im Krater ist türkis-gelblich und ebenfalls beeindruckend. Nun, da es immer heller wird, sieht man das Blue Fire nicht mehr. Der Wind steht gut und wir brauchen die Gasmasken, die man uns am Eingang gegeben hatte, nicht, um uns vor den überall im und am Krater austretenden Gasen zu schützen. Die Sonne ist da und ich mache mich auf den Rückweg. Unten angekommen steig‘ ich in den Bus, der mich zur Fähre bringen wird. Die Fähre fährt pünktlich ab. Aber derart langsam, dass ich befürchte, dass die Zeit stehen bleibt. So schlimm wäre das aber gar nicht. Hier, zwischen Java und Bali. Doch wir legen tatsächlich an und ich werde von einem Fahrer meiner Unterkunft abgeholt. Es gibt Chicken Betutu. Sehr lecker und typisch balinesisch.

Findet Nemo!

Am nächsten Tag fahre ich in den Nationalpark Pulau Menjangan zum Schnorcheln. Ich werde abgeholt und lege mit einem langen Holzboot ab, samt Ausrüstung. Auch ohne Brille sehe ich den Müll überall. Unfassbar, wie hier mit diesem Geschenk der Natur umgegangen wird. Ich schnappe mir während mehrerer Schnorchelgänge die im Wasser treibenden Plastiktüten und sammle so viel Müll ein wie möglich. Selbstverständlich nutze ich die Zeit auch dafür, die vielen bunten Fische zu bewundern. Einer der Guides zeigt mir Clownfische, die, wie auch Nemo und sein Papa, immer wieder hinaus und wieder in die Anemone hinein schwimmen. Wie im Film! Einfach toll!

Doch einen Tipp zum Schnorcheln habe ich noch: Unbedingt eincremen, ein enganliegendes Shirt sowie eine möglichst lange Badehose anziehen. Bei dieser Sonne bekommt man einfach so verdammt schnell Sonnenbrand!

Kaffee aus Katzenkot? Sehr gerne!

Nach dem Frühstück fahre ich gemeinsam mit dem Eigentümer der Unterkunft und seiner Familie nach Munduk. Auf dem Weg dorthin halten wir an einem Durian-Stand und probieren die Stinkfrucht. Nicht mein Fall. Bei einem weiteren Halt kosten wir von einem Kaffee, von dem es heißt, er sei der teuerste Kaffee der Welt. In Europa werden für 1 kg gerösteter Bohnen dieses Katzenkaffees 240 € verlangt. Wir machen einen Rundgang und sehen auch die Schleichkatzen. Sie sind leider in Käfigen eingesperrt. Aber was soll ich schon tun. Ich spiel das Spiel mit und trinke auch den Kaffee. Er schmeckt verdammt gut und deshalb wandern 100 g in meinen Rucksack. Dann geht es weiter.

 

Munduk im Regen

Angekommen in Munduk verabschiede ich mich von der Familie. Nach dem Check-In wandere ich auch schon wieder los. Es soll hier fantastische Wasserfälle geben. Und das sind sie auch. Auf dem Rückweg bin ich klitschnass. Als es dann anfängt zu regnen fühle ich eine gewisse Leichtigkeit. In Berlin hätte ich mich längst untergestellt. Ich gehe einfach weiter. Mitten durch die Reisfelder, von Terrasse zu  Terrasse hüpfend, von Hof zu Hof. Meine Schuhe und Socken sind eh schon nass. Blutegel gibt es auch hier, wie ich sehe. Also schnell wieder raus.

 

Just cruisin’ and back to basic!

Heute geht es zur letzten Station meiner Reise. Es geht nach Ubud. Doch vorher mache ich Halt am wohl bekanntesten Tempel Balis. Der Pura Ulun Danu Bratan ist der wohl am meisten fotografierte Tempel der Insel. Er ist wirklich sehenswert. Aber mehr als ein paar Fotos mache ich nicht und fahre weiter. In Ubud habe ich zunächst einmal Probleme, die Unterkunft zu finden. Das ist ein Zeichen dafür, dass es dort trotz der unzähligen Touristen mindestens ein wenig ruhiger zugehen wird. Eingecheckt und gleich wieder raus. Ich leih mir ein Moped aus und sehe mir Ubud und die Umgebung an. Wobei ich Ubud auch noch später zu Fuß erkunden kann. Daher gleich hinaus aus der Stadt und wieder vorbei an Feldern und Flüssen und Tempeln. Hat etwas Beruhigendes. An meinem letzten Abend gönne ich mir Nasi Goreng und dazu ein kühles Bintang Lager. Fast schon klassisch und richtig lecker!

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Andreas Mosig

Andreas, der Gipfelstürmer, ist IT-Experte bei YOLO und kümmert sich um all das, wovon die meisten anderen nur "Bahnhof" verstehen.

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